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Der Radsport Rhein-Neckar im Fokus der RNZ: Thema - Vereine der Region (von Nikolas Beck)

Fechtmann Wolf-Dieter 13.08.2018

Nr. 178/ Rhein-Neckar-Zeitung    SPORT
Das Gelbe Trikot im Blick
Der Verein Radsport Rhein-Neckar kümmert sich intensiv um den eigenen Nachwuchs - Image des Sports als großes Manko

Das Fahren im Pulk will gelernt sein: Die Kinder gewöhnen sich beim Verein Radsport Rhein-Neckar früh an die Verkehrsregeln.

Foto: privat

Von Nikolas Beck
Nußloch.
Aus dem Sattel an die Tasten, heißt beim Verein Radsport Rhein-Neckar die Devise.
Nach jedem Rennwochenende schreiben die Kleinen, die mal ganz Große werden wollen, ihre Erfahrungen und Eindrücke für die Internetseite des Vereins nieder.

So berichtet etwa Paul Birkenbihl von der fünften U11- Schülercup-Etappe in Achkarren:
,,Das Gelbe Trikot (Joel Buksch) wurde Erster und Len Sohnsmeyer wurde Zweiter. Ich holte mir den dritten Platz. Also mal wieder ein Podium in grün."

Grün, das ist die Farbe der NuBlocher Equipe, die im RacketCenter beheimatet ist.
Doch auch drei Gelbe Trikots, in die nur der Gesamtführende schlüpfen darf, hat sie momentan in ihren Reihen:
Emilia Don (U13w) und Len Sohnsmeyer (U11) im badischen Regio-Cup sowie Joel Bucksch (U12) im Schüler-Cup.

,,Fördern und fordern", nennt Rolf Heutling, der die Trainingsgruppen koordiniert, die Philosophie.
Der 2004 gegründete e.V. hat sich explizit der Ausbildung junger Radrennsportler verschrieben.
Vor zehn Jahren hatte man erstmals ein Team in der Junioren-Bundesliga auf der Strecke, 2012 wagte man den Schritt zum KT-Profiteam,
ehe das Team Ende 2015 aufgrund fehlender Sponsoren vorerst zurückgezogen werden musste.

Also wieder volle Konzentration auf die Basisarbeit.
,,Wir haben so viele Kinder auf dem Rad wie nie zuvor", freut sich Heutling über mehr als 20 Jugendliche, von den Bambini bis zur U18.
,,Das ist keine Selbstverständlichkeit", findet auch Trainerin Tanja Schaaf.
Der Radsport boome zwar, aber es gebe immer weniger, die sich auch in einem Verein engagieren wollen.

Heutling und Schaaf sind zwei der acht Betreuer, die bis zu dreimal die Woche mit ihren Schützlingen auf die StraBe gehen.
Jede Gruppe werde von zwei Erwachsenen begleitet.

Denn: ,,Die Leute freuen sich zwar, wenn die Bambini im Teamtrikot auf dem Rennrad vorbeikommen", berichtet Heutling:
 ,,Aber es wird auch mal gehupt und so mancher Autofahrer unterschätzt unsere Geschwindigkeit."
Das Training im StraBenverkehr will genauso gelernt sein wie das Fahren im Pulk.

,,Auf dem Rennrad hat man auch Verantwortung für seine Mitstreiter", versucht Heutling der Jugend zu vermitteln. Er glaubt: ,,Je früher man das Rennfahren lerne, desto besser."
Aber als Radsportverein hat man es nicht leicht dieser Tage.
Ein deutsches Zugpferd a la Jan Ullrich sucht man vergebens.
Und das Image der Profirennfahrer hat durch die vielen Dopingenthüllungen tiefe Kratzer bekommen.

,,Klar gibt es immer mal wieder doofe Sprüche in der Schule oder der Nachbarschaft", weiß Schaaf.
Man müsse sich beinahe rechtfertigen, Radsportler zu sein.
Der Bekanntheitsgrad des Vereins sei ein weiteres Manko.
Für Sohn Manuel mussten die Schaafs erst einmal lange nach einem Verein, der Nachwuchsarbeit betreibt, suchen.

Nun fühlen sich die Bammentaler in Nußloch bestens aufgehoben.
Wer mal ,,reinschnuppern" will, dem werden Rennrad und Ausrüstung gestellt.

Trainiert wird auch im Winter und bisweilen auch auf der Kartbahn im Ort.

Beste Voraussetzungen also, dass irgendwann einmal auf der Homepage nicht mehr nur steht: ,,Ich will Profi werden."

Sondern auch: ,,Ich bin Profi geworden."