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2. Platz in der Solo Kategorie beim Race Across Oregon für Bernhard Hartenstein

Hartenstein, Bernhard 08.09.2017

Ich habe das Race Across Oregon (RAO) als Zweitplatzierter in der Solokategorie gefinished. Ein Zeitfahren nonstop über 840 km durch das Outback Oregons, mit fast 13.000 Höhenmetern und einem Zeitlimit von 48h.

Das RAO wird nach den Regeln des Race Accross America (RAAM) ausgetragen. Das bedeutet, jeder Fahrer wird aus einem Fahrzeug heraus betreut. Insbesondere in den Nachtstunden zwischen 19:00 und 7:00 Uhr muss der Fahrer im Lichtkegel des Begleitfahrzeugs fahren.

Die Strecke führt über 522 Meilen (840km) durch das Outback Oregons.

Endlose, einsame Weiten, tief eingeschnittene Canyons, in denen sich die Hitze wie in einem Backofen staut.

Auch alpine Abschnitte mit epischen Steigungen, die sich auf knapp 13.000 Höhenmeter aufsummieren, sind zu bewältigen.

Die gesamte Strecke liegt im wüstenartigen Gebiet im Norden Oregons, im Regenschatten der Casscades Gebirgskette. Blauer Himmel und Sonnenschein sind garantiert. Temperaturen bis an die 40 Grad im Schatten, den es höchstens auf einem bewaldeten Abschnitt gibt, der jedoch in der Nacht passiert wird.

Als Belohnung für die Strapazen winkt eine RAAM Qualifikation, für alle, die beim RAO innerhalb der 48h das Ziel erreichen.

 

Neben der Distanz stellten die zu erwartende Hitze und insbesondere das ziemlich knapp bemessene Zeitlimit für mich die grössten Herausforderungen dar.

Noch nie war ich eine so lange Strecke in solch kurzer Zeit gefahren.

Allerdings war ich auch bislang nur im nicht-supporteten Brevet-Modus unterwegs, d.h. ohne Begleitfahrzeug.

Ich konnte (und kann) es mir nicht vorstellen, eine solche Distanz zu fahren.

Aber ich hatte schon früher die Erfahrung gemacht, dass es irgendwie geht, solange ich die Kurbel drehe. Und eine weitere Umdrehung geht immer…

Also nicht bei der Vorstellung der Unmachbarkeit verweilen. An nicht ganz so guten Tagen gleiten die Vorstellungen allzu leicht ins Desaströse ab ;-)

 

Mein Plan: Wenn es gut läuft, unter 48h durchkommen - wenn nicht, als Fallback, 48h fahren und sehen, wie weit ich komme. Die ersten 6h nicht überzocken und dann das Feld von Hinten aufrollen.

An letzteres habe ich nicht wirklich geglaubt ;-) Im Vorjahr hatte keiner meiner Altersklasse 50+ überhaupt das Ziel erreicht.

 

Am 16.Juli um 5:00 morgens war dann der Start…

… und 43h und 3min später war ich wieder am Ziel.

Dazwischen haben meine Begleiter, Mona, meine Frau, und Moritz alles dafür getan, dass ich trotz hitzebedingter Appetitlosigkeit wenigstens ein Minimum gegessen habe – 17 Bananen, eine Wassermelone und kandierter Ingwer waren die Highlights – neben Maltodextrinlösung und Flüssignahrung. Die beiden haben dafür gesorgt, dass ich genug getrunken habe – sicher an die 30 Liter, wobei die Luft so trocken war, dass trotz der knapp 40 Grad am Berg mir kein Tropfen Schweiss über die Stirn rann.

Sie haben mir ein Ersatzhinterrad organisiert, nachdem ich über 220 km in der zweiten Streckenhälfte mit einem blockierendem Freilauf hinter mich gebracht hatte, ohne einen einzigen Tritt auslassen zu können - auch auf den Abfahrten, - sonst hätte es die Kette in die Speichen gewickelt. Und sie haben 43h abwechselnd nonstop das Begleitfahrzeug gefahren.

Meine beiden Begleiter haben einfach alles richtig gemacht bei ihrer ersten solchen Aktion. Auch das fand ich eine bemerkenswerte Leistung. Mit zunehmender Renndauer wurde mir immer bewusster, wie abhängig ich von meinem Team war. Ihre Unterstützung hat mich tief berührt und ich bin ihnen sehr dankbar für dieses Geschenk.

Und die anderen Starter? Der Sieger war rund 3 ½ h vor mir im Ziel. Er hat bei seinem fünften Start das erste Mal erfolgreich das Ziel erreicht. Die 4 anderen Solo Starter haben das Rennen vorzeitig beendet. Zudem waren noch vier 2er Teams und ein 4er Team am Start, die gut 10 h kürzer unterwegs waren. 

 

Dass ich ohne wirklich tiefe Krise durchgekommen bin, liegt sicher auch an der gesammelten langjährigen Erfahrung.. Gerne gebe ich diese weiter.

Falls ich Dir damit helfen kann oder auch nur ein vages Interesse am Langstreckenfahren geweckt habe, melde Dich einfach über e-mail: bernhard.hartenstein@sap.com oder zu einem Plausch bei einer Runde auf dem Rad.

Bericht und Bilder: Bernhard Hartenstein